Schill-Out mit Butoh-Tanz

November 6, 2009

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In der Tanzgeschichte ein Unikum ist der Japaner Kazuo Ohno, Jahrgang 1906. Seine „Hommage à la Argentina“, 1977 in Tokio uraufgeführt, ein Coming Out ohnegleichen steht am Beginn einer Weltkarriere. Die Einladung des 72-jährigen Tänzers und Butoh-Gründers zum Theaterfestival nach Nancy (1980) ist das erste Auslandsgastspiel. Vom Fleck weg wird er nach Stuttgart und Stockholm engagiert. Sein allererster Auftritt in Deutschland hinterlässt Spuren. In der Region Stuttgart entsteht eine Butoh-Szene, die sich in Workshops, Lectures und Performances für diese Tanzform stark macht und das Publikum immer wieder überrascht.

Zwei Geburtstage, eine Party! Am 13. November laden Künstler zu einem Butoh-Schill-Out im Kulturwerk Stuttgart ein, um den 250. Geburtstag des schwäbischen Dichters Friedrich Schiller und das 50. Jubiläum des japanischen Butoh-Tanzes zu feiern. Der Crossover von Schiller und Butoh, von Text, Tanz, Stimme, Video und Improvisation, ergänzt durch einen Workshop und Gespräche, will einen ideen- und geistesgeschichtlichen Raum öffnen.

Begriffe wie „Anmut, „Würde“ und „Schönheit“, wie „Freiheit“, „Spiel“ und „Natur“ überwinden hier Jahrhunderte, Kontinente und kulturelle Barrieren. Gedanken im Flug. Schillers ästhetische Briefe eine Schatzkiste, nicht nur zum Thema Bildung: „Der gebildete Mensch macht sich die Natur zum Freund“, auch zu Themen Spiel und Improvisation: „Der Mensch ist nur da ganz Mensch, wo er spielt“.

Das Konzept haben die Tänzerin Heike David und die Tanzkritikerin Leonore Welzin entwickelt. Mitwirkende sind das Figurentheater-Trio Ulrike Kley & Gäste, Ingo Klopfer (Maringo Verlag), die Performancegruppe Ulrike Helmholz, und Téjo Janssen sowie Heike David, Susanne Buck-Zehr und Bettina Burnus (Ensemble zeitlos). Videodokumente aus den 60er, 70er, 80er und 90er stellt die Stichting Butoh-Info Amsterdam zur Verfügung. Das Programm moderiert Leonore Welzin.

Butoh Schillout

Oktober 28, 2009

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Zwei Geburtstage, eine Party!
Am 13. November lädt das Kulturwerk Stuttgart ein, um in einer schillernden Butoh-Nacht den 250. Geburtstag des schwäbischen Dichters Friedrich Schiller & das 50. Jubiläum des japanischen Butohtanzes, mit Text, Tanz, Stimme, Video, Workshop, Improvisation und Gesprächen zu feiern.

18.00h – Workshop ‘Butoh-Improvisation’ (Tejo Janssen)

19.30h – Einführung zum Thema „Schiller und Butoh“,
dazu ein Begrüßungstrunk

20.00h – 1. Performance-Block
(Ulrike Kley und Gäste, Lesung mit Ingo Klopfer/maringo Verlag)

21.00h – Essen zum Thema: Äpfel und Erdäpfel.
Videos verschiedener Butoh-Vorstellungen.

22.00h – 2. Performance-Block („salt and bread“, voice and movement
Performance mit Ulrike Helmholz, Tejo Janssen, Pit Schmidt)

23.00h – 3. Performance-Block (Butoh-Impro mit „zeitlos“)
danach Schill-Out mit Bratäpfeln und Gesprächen

Videos verschiedener Butoh-Vorstellungen und Tänzer-Interviews laufen auch während des ganzen Abends.

Gebühr: Workshop 12,- €uro / Abendprogramm 15,- €uro / 13,- €uro
Anmeldung: www.kulturwerk.de
oder Tel.: 0711 / 48065 – 44

Süßwasserboys

Oktober 26, 2009

Kurzweil mit Hasenscheisse in der Kapelle im Schloss Brackenheim

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Warum reist jemand aus Bern nach Brackenheim? „Weil da für ein paar Köttel mehr Hasenscheisse auftritt und ich zwei Stunden lachen kann!“ sagt eine 40-jährige Eidgenossin, die sich, wie hundert andere „Oleole Oleola! Hasenscheisse sind wieder da!“ bestens amüsiert. Ballermann und Disco, Wilhelm Busch und Balladen mit intelligentem Reim und witzigen Texten, wie das geht zeigt das geistig hakenschlagende Quartett aus Potsdam.

Schon beim Erkennungslied tobt das Publikum in der Kapelle im Schloss. Freche Schnauze, schräge Texte und heiße Rhythmen – da stehen keine Langohren im Hasenkostüm auf der Bühne (wie Poster und CD-Cover suggerieren), liegen keine depressiven Karnickel „Faul & Fett“ im Gras, wie Textzeile und Songtitel angeben, der doppeldeutig ausklingt: Gesegnet sei das Gras!

„Wir sind sonne Art Liedermacher“  so der Schnelldenker Christian „Crishie“ Näthe, der sich als gewitzt ironischer Texter und in der moralischen Pflicht sieht, das Unrecht anzuprangern. Dem Autor und Gitarristen ist kein Thema zu gering, um daraus nicht eine Ballade mit mehreren Plots und ebenso vielen Stil- und Rhythmuswechseln zu komponieren.

Zweiter Frontmann  Matze bindet sich die Schürze um und gibt den „Bernd am Grill“, der nach x Strophen  als Gemüseverkäufer endet. „Eierkuchen flieg, führt dich die letzte Pirouette zum Sieg oder in die Nahrungskette?“ Im Stück „Eierkuchen“ mimt der Vokalist und Küchencasanova Ei, Milch und Mehl, die zum Teig verrührt schließlich als Eierkuchen mit letzter Wärme die süße Sahne aufsaugt.

Mit Grips und Kraft galoppieren die vier „Süßwasserboys“ von Havel und Spree durchs kurzweilige Programm. Die Kois unter den Landbewohnern pfeifen auf’s Meer, lassen dazu das Publikum als Brackenheimer Möwen kreischen. Sie schwärmen von Krabbenbrötchen, träumen von „Lara“ und „nackter Elfe“. Ob mit Nummern wie die „Waden eines Barden“ (statt Ärmel, werden hier die Hosen hochgekrempelt) eine  Friedensbotschaft selbstironisch unters Fanvolk gebracht wird, oder ob sie das Auf und Ab irgendwo zwischen „Himmel & Hölle“ vertonen, es muss es ein Plätzchen für Spinner geben, eben für Typen wie Hasenscheisse.

Literat mit Schweißgerät

Oktober 25, 2009

Werkschau des frankophilen Künstlers Fero Freymark im Rathaus Güglingen

„Durchblick“, „Haus des Bildhauers“ und „Große Fuge J.S. Bach“, drei Kleinskulpturen von Fero Freymark paradieren nebeneinander auf Sockeln und empfangen den Besucher im Foyer des Güglinger Rathauses. Verkantet, subtil ineinander verschachtelt, kubische Räume, voll Vitalität und ursprünglicher Schaffenslust, wurden diese drei  Bronzen vor einem Jahr in Paris beim Salon des Artistes Francais ausgezeichnet.

Eine „Riesenanerkennung“ so Freymark, „zumal für einen  Nicht-Franzosen“. In der Ausstellung „Bilder und Skulpturen von Fero Freymark“ repräsentieren sie einen der Werkkomplexe des Künstlers.

Formal streng, naturverbunden klar – über 30 Exponate, zu denen auch  Fundstückskulpturen gehören, wie  Rost patinierte Stücke von  Schiffshäuten, die an die Kindheit des 70-Jährigen erinnern oder der „Werkzeugtanz“ eine Reminiszenz an Jean Tinguely. Ob in Bronze gegossen oder in Stein gehauen, ob Gemälde oder Zeichnung, ob Großformat oder schnelle, kleine Tagebuch- und Reiseskizzen des ganz jungen Künstlers, die  Schau ist ein faszinierender Rückblick auf eine 50-jährige Schaffensperiode.

In Köln geboren, wächst Freymark kriegsbedingt in Westpommern bei den Großeltern auf. Geprägt von den Erfahrungen auf einer „Bauhütte“ beim Neubau des Gelsenkirchner Theaters, fährt er zweigleisig. Tagsüber studiert er Architektur und gehorcht  damit der Familientradition. Abends folgt er seiner Neigung in Bildhauerkursen. Als  Geselle wandert er durch Europa, verdingt sich als Maurer in England, als Schreiner in Portugal und in einer Bronzegießerei in Deutschland.

Verschachtelt und verzahnt wie  Skulpturen und Farbflächen, wie bildnerische und plastische Fertigkeiten, so harmonisch fügen sich Zufall und bewußte Entscheidung  ins Lebensganze von Fero Freymark, der sich von der Provence und ihren sinnlichen Qualitäten angezogen fühlt. Nicht allein die Landschaft, auch Seelenverwandte wie Paul Cezanne und Vincent van Gogh trifft Freymark hier, liebt wie jener die Abenteuer des Tartarin de Tarascon. Beschäftigt sich mit Literaten wie Albert Camus  oder Jean Giono, der Mann, der Bäume pflanzte.  Galeristen sehen in Freymark einen „Literaten mit Schweißgerät“.

Vielseitigkeit und umfänglich ist das Lebenswerk, in dem in der Güglinger Werkschau ein Fixpunkt herausragt: „La grande pierre de St. Guenolé“ (2009). Der Große Stein an exponierter Stelle  zwischen die zweiteiligen Gemälde „Landschaft Gelb“ und „Werkstück Rot“ platziert, steht pars pro toto für die 30 Jahre anhaltende Auseinandersetzung mit der Urmaterie.

Wie der, vor einer Felswand meditierende Buddha, arbeitet Freymark am liebsten im Steinbruch. Die Stille monumentaler Brocken,  gesprengte Erdschichten, massive Blöcke gebrochen, gekerbt und verwittert – eine unerschöpfliche Inspirationsquelle  für den Poeten und Bildhauer, der in  großen Zeichnungen aus tausenden von filigranen Kugelschreiber-Strichen riesige, rhythmische Gesteinsformationen festhält. Ocker, Rot und Brauntöne, selbst die leuchtenden Farben seiner Gemälde entspringen Natursteinen.

Info: Bilder und Skulpturen von Fero Freymark sind bis 18. Dezember im Rathaus in Güglingen zu sehen.