„Festlichen Benefiz-Meisterkonzert“ mit Reinhold Friedrich und Martin Lücker in der Jakobus-Stadtkirche Brackenheim

Es muss nicht immer Bach sein, um ein Kirchenkonzert in Fahrt zu bringen. Warum nicht ein Turmstück von Gottfried Reiche (1667-1734)? Immerhin war der Leipziger Zeitgenosse des Thomaskantors nicht nur Stadtpfeiffer sondern ein wahrer Trompetenvirtuose. Mit seiner „Fanfare für Trompete solo“ eröffnet Reinhold Friedrich, ein Trompetenvirtuose unserer Tage, das „Festliche Benefiz-Meisterkonzert“, zu dem 500 Besucher in die Jakobus-Stadtkirche gepilgert sind.

Kaum im Barock angekommen, platzt mit dem letzten Fanfarenstoß und Messiaenschem Furor die Orgel herein. „Le Vent de l’Ésprit“ (Der Wind des Geistes), der letzte Satz aus der Pfingstmesse (1951) des französischen Organisten visualisiert die Apostelgeschichte, in der vom „gewaltigen Brausen, welche das ganze Haus erfüllte“ die Rede ist.

Atmosphärische Schwingungen, liturgischer Gesang, Vogelstimmen und das dumpfe Grollen der Apokalypse – alles, was greifbar ist, alles, was verborgen, geheimnisvoll, übernatürlich ist und alles, was wir nie verstehen werden, hat Messiaen in dieses Stück gepackt. Eine musikalische Auseinandersetzung zwischen der Freiheit des Geistes und der Gebundenheit der Materie in komplexen Rhythmen und profilierten Pedal-Melodien – der mehrfach preisgekrönte Organist Martin Lücker stemmt das mit Bravour.

„Wind-Atem-Geist“ ist der Untertitel des Programms, der sich sowohl auf die Luft als Klangerzeugung beider Instrumente bezieht, als auch auf die Auswahl der Stücke. Nach der Solopräsentation, vereinen sich Blechblas- und Pfeifeninstrument in der „Sonata prima“ des Florentiners Giovanni Bonaventura Viviani (1638-1692); mal gibt das Blech den Ton an und die Orgel trippelt hinterher, mal gehen sie Hand in Hand. Das bunte Kaleidoskop, eine Abfolge mehrerer kurzer Sätze, ist neben der „Sonata seconda“ erstaunlicherweise die einzige Komposition des Barock, die original für Trompete und Orgel geschrieben wurde.

Franz Tunders (1614-1667) Choralfantasie „Komm Heiliger Geist, Herre Gott“ korrespondiert thematisch mit drei Bachchorälen. Zwischen das traditionelle Pfingstgeschehen sollte „Atem“ von Mauricio Kagel gehaucht werden. Doch kurzfristig hat sich Reinhold Friedrich für die „Quattro pezzi per tromba solo“ des eigenwilligen Giacinto Scelsi (1905-1988) entschieden. Auf wenige Töne konzentriert, variieren die vier Stücke in Timbre, Dynamik, Höhe und Zeitmass auf witzige wie berückende Weise.

Das Duo Friedrich/Lücker, das sich vor 20 Jahren durch den Brackenheimer Kantor Hans-Günther Mörk kennen gelernt hatte, beschließt den unkonventionellen Dialog von Trompete und Orgel mit den Sätzen „Recitativo“ und „Deciso“ aus „L’Ébauche d’un Souffle“ (der Entwurf eines Atems) des Franzosen Jean Guillou (1930). Riesenapplaus für einen sensationellen Abend, der mit zwei Zugaben ausklingt.

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