Wasserfloh, Mückenstich und das Geld der Zwerge
April 26, 2009
Ovationen für Angelo Branduardi in der Heilbronner Harmonie

Was eigentlich besingt Angelo Branduardi in seinem „Pulce d’acqua“, dem zum Ohrwurm mutierten Wasserfloh? „Es ist der Wasserfloh, der dir den Schatten geraubt hat, nun bist du krank. Die Mücke des Herbstes, die du zerquetscht hast, wird dir nicht verzeihen. Nun musst du für lange Zeit singen, damit dir vergeben wird.“ Ein Mückenstich also, dem Branduardi mit buddhistischer Ehrfurcht Respekt zollt.
Zum Singen verdammt ist aus dem, vor 32 Jahren komponierten Stück das Markenzeichen des italienischen Barden geworden, mehr noch ein Kultsong, bei dem sich die 500 Fans in der Harmonie reihenweise erheben und begeistert mitklatschen.
Vom unendlich Kleinen ist der Weg zum universellen Großen und Ganzen bei Branduardi nicht weit. „La Lauda di Francesco“, diese Lobrede des Heiligen Franziskus – samt spirituellem Sonnengesang – macht den Auftakt des Konzerts. Ursprünglich ein Musical zu Leben und Wirken des christlichen Asketen, ist das Werk auch ohne szenische Einlagen, illustrativen Tanz und opulente Ausstattung ein einziges Schwelgen in pathetisch-mystischen Sphären. Rauchwölkchen, sowie imposanten Licht- und Soundeffekte begleiten die von Dante inspirierte Lebensreise zwischen Himmel und Hölle, die mit einem demütigen „Miserere“ endet.
Gedanken der eigenen Vergänglichkeit „Ich bin im Leben meiner Geige, einer Steiner aus dem Jahr 1746, nur ein Passagier“ – diese Geige hat er allerdings zuhause gelassen – sowie ein paar Sätze zum Teufelsinstrument, das nicht der Musiker spiele, sondern von dem er gespielt werde, streut er zwischen die Klanggewalt. Der Wuschelkopf lässt sich Riesenbecken reichen, drei Schläge, die er wie ein Tai-Chi-Meister zelebriert, virtuos einige Takte auf der Panflöte geblasen, dominieren scharfe Soli auf der schwarz gelackten E-Geige des ins elektronische Zeitalter katapultierten, 59-jährigen Troubadours. Er dreht sich zu seiner Band, schwingt die Arme und dirigiert seine brillanten Profimusiker, Leonardo Pieri (Keyboard, Akkordeon und indischem Harmonium), Stefano Olivato (E-Bass, Mundharmonika und Gitarre) und Davide Ragazzoni (Schlagzeug).
Schließlich findet er einsam an der Gitarre zu leisen Tönen, bekommt dafür „Bravo-Rufe“ und setzt mit einem nostalgischen „La Paloma“ nach. Bevor er mit „Gracie und Buona Notte“ abtritt, gibt es noch ein brandneues Lied: „Il Denaro dei Nani“, das Geld der Zwerge.