Sinfonische Blasmusik der Jugendblasorchester aus Thum und Heilbronn

Jublasorch-220509-021

Dass im Erzgebirge nicht nur geschnitzt, geklöppelt und Sport getrieben wird, sondern dass die Musik dort ganz vorne rangiert, davon konnte sich das Publikum in der Christuskirche beim Konzert sinfonischer Blasmusik der Jugendblasorchester aus Thum und Heilbronn überzeugen. Gemessen an der Begeisterung standen die Gäste aus dem sächsischen Städtchen Thum mit Werken von Mozart, Gustav Holst und Stephen Melillio im zweiten Teil dem gastgebenden Jugendblasorchester der Städtischen Musikschule Heilbronn in Nichts nach. Dieses hatte mit Stücken von Yasuhide Ito, David Maslanka, Felix Mendelssohn-Bartholdy und George Gershwin die Messlatte ziemlich hoch gehängt.
Unter dem Taktstock von Thomas Conrad spielen sich die Gäste mit der Ouvertüre zu Mozarts „Zauberflöte“ warm. Vom Klassiker ein Zeitsprung in die Spätromantik: Holst greift in der „Moorside Suite“ (1928) Volks- und Kinderliedmelodien auf, die er subtil verarbeitet. Leicht und filigran fließt das „Scherzo“. Die über einem Choralthema ruhende „Nocturne“ gibt Instrumenten, wie Oboe und Klarinette, solistischen Spielraum. Der Abschlussmarsch, eher Tanz als Stechschritt, steigert sich zu triumphaler Vielstimmigkeit. Ein guter Übergang zu Melillios „Escape from Platos Cave“ (1990), in dem der amerikanische Musical- und Filmmusik-Komponist nicht mit Effekten geizt, um das Höhlengleichnis dramatisch zu illustrieren.
Eine reife Leistung der jungen Musiker, für die das Heilbronner Gastspiel gleichsam als Generalprobe dient, denn in einer Woche treten sie damit beim Sächsischen Orchesterwettbewerb im Vogtland an. Stehende Ovationen und zwei Zugaben, ein „Fandango“ und ein „Haiku“, beschließen das Programm, das so japanisch begann, wie es endet.
Das „Oratio“ aus Itos „Gloriosa“ läutet, unter der bewährten Leitung von Marc Lange, den Abend sanft ein. Perfektes Zusammenspiel, wunderbare Agogik, klingt es mit einem sensiblen Klarinettenhauch aus. Der musikalische Genuss setzt sich in „Heart Songs“ fort. „Den Baum des Lebens mit dem Blut des Herzens gießen“ sagt der Komponist Maslanka zu seinem Werk, das Motive eines Bachchorals variiert und weniger pathetisch dargeboten wird, als der Kommentar befürchten lässt. Zu Hochform gelangen die Heilbronner Musiker in Mendelssohn-Bartholdys „Konzertstück Nr.1 f-Moll“ für zwei Solo-Klarinetten (Florentine Simpfendörfer und Sarah Geiger), jenes Werk, das der Musensohn als Gegenleistung für eine Dampfnudel-Mahlzeit schuf. Schließlich runden die Bläser das musikalische Spektrum mit einem pfiffigen Medley aus Gershwins „Porgy and Bess“ ab. Alles in allem ein gewaltiges Klangerlebnis.

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