Helle Schlanke und dunkle Runde

Juni 25, 2011

Götzenburg Jagsthausen: Skulpturenpark mit Werken von Angelika Wetzel und Rotraud Hofmann

Alljährlich zieht mit dem Auftakt der Freilichtspiele neues Leben in das geschichtsträchtige Gebäude. Das Gelände rund um die Götzenburg verwandelt sich in einen Skulpturenpark. In diesem Jahr haben die Bildhauerinnen Angelika Wetzel (1934) Bronzen und Rotraud Hofmann (1940) Werke aus Marmor auf der Grünfläche zwischen Vorburg und Stammsitz der von Berlichingen installiert.

Sieben schlanke Marmorstelen säumen den Parkrundweg. Weiß leuchtet ein Single aus Estremoz-Marmor mit dem Titel „Veränderung“. Im Duo aus Belgischem Sandstein begegnen sich „Durchblick“ und „Veränderung 2“. Die Vierergruppe – eine zartrosa „Stufenstele“, die „Atmung“ aus Rauchkristall, der „Stufenstein“ und die „Zeit“ aus Brasilianischem Marmor -variiert das Thema rhythmischer Strukturen. Weiche Verläufe kontern die Härte des Materials. Verschobene Volumen, Ritzungen und Einkerbungen setzt Rotraud Hofmann gegen die organisch gewachsene Musterung des Steins. Marmor gewordene kompositorische Regeln des Barock türmen sich in der „Hommage an J.S.B.“.
Wie Sensoren strecken sich, hell und grazil, die abstrakten Werke aus den letzten beiden Schaffensdekaden auf der offenen Grünfläche. Ganz anders in der angrenzenden Keltergasse, da tummelt sich mythische Frauenfiguren. Eine „Faunin“ hockt im Gebüsch neben einer Sitzbank, dreht selbstbewusst den Kopf, mit keckem Blick den Betrachter musternd. Ihr gegenüber hält eine „Eva“ die Nase in den Wind, wohltemperiert scheint sie ein idealer Landeplatz für Marienkäfer und andere Insekten zu sein. Eine „Hockende“ und der „Antike Torso“ ergänzen das Geviert aus dunklen Bronzen.

Hier die in Marmor gemeißelte Abstraktion musikalischer und universeller Rhythmen, da die in Bronze gegossenen Akte mythischer Frauengestalten. Hell und schlank versus dunkel und rund liegt der Reiz der Ausstellung in der Gegensätzlichkeit der Exponate. Zugleich verlocken die unterschiedlichen Schaffensepochen – bei Rotraud Hofmann die letzten 20 Jahre, bei Angelika Wetzel das Frühwerk aus den 50er und 60er Jahren – zu einem historischen Diskurs der Bildhauerei, und, selten genug, zur Entwicklung weiblicher Perspektiven des Metiers.

Zur Person:

Angelika Wetzel, 1934 in Häfnerhaslach geboren, studiert Bildhauerei bei Emilio Greco an der Accademia di Belle Arti Carrarra, in Stuttgart und in Berlin bei Bernhard Heiliger an der Hochschule für Bildende Künste. 1983-84 übernimmt sie in Vertretung von K. H. Seemann die Leitung der Grundklasse an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart. Zahlreiche Auszeichnungen, Ausstellungen und Arbeiten im öffentlichen Raum. Die Künstlerin lebt in Stuttgart.

Rotraud Hofmann, 1940 in Aalen geboren, hat Bildhauerei an der Staatl. Akademie der Bildenden Künste Stuttgart studiert. Seit 1966 freischaffend, Teilnahme an  Bildhauersymposien,  Einzel- und Gruppenausstellungen, lebt und arbeitet sie in  Fellbach. Ein Interessenschwerpunkt ist die Architekturbezogene Plastik im öffentlichen Raum.

Info: Die Skulpturen von Angelika Wetzel und Rotraud Hofmann werden bis 18. September 2011 in der Keltergasse, am Eingang zur Götzenburg, im Park der Götzenburg und im Rathaus ausgestellt.

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