„Die Mauer muss weg, auch in den Köpfen!“
August 8, 2011
Brackenheim: Schüler-Aktion und Plakate zum 50. Jahrestag des Mauerbaus
Ajax oder Pudax? Brathähnchen oder Broiler? Ob Scheuer- oder Lebensmittel, mit dem Bau der Mauer beginnt sich die DDR abzuschotten, aus Angst die intellektuelle Elite würde in den Westen abwandern. Obwohl der Staatsratsvorsitzende Walter Ulbricht am 15. Juni 1961 bei einer Pressekonferenz noch verkündet hatte: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“, beginnt am 13.August 1961 der Mauerbau, und damit verläuft mitten durch Deutschland die heißeste Grenze des kalten Krieges.
Im August 2011 jährt sich der Bau der Berliner Mauer zum 50. Mal. Anlässlich dieses geschichtsträchtigen Ereignisses zeigt das Theodor Heuss-Museum neben der (Plakat-) Ausstellung “Die Mauer. Eine Grenze durch Deutschland”, erstellt im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Kultur, eine Kunst- und Geschichts-Installation von Schülerinnen und Schülern des Zabergäu Gymnasiums.
Da war mal was?! Drüben, wo ist das? Wie erfährt die Generation Einheit, also die nach 1989 Geborenen die deutsche Teilung? Mauererfahrungen damals und heute thematisiert die Gemeinschaftsarbeit von Schule und Museum. „Es ist etwas ganz Besonderes in einem Museum so frei schalten und walten zu können“ sagt die Kunstlehrerin Martina Wrieden-Rupprecht erfreut über die fruchtbare Zusammenarbeit, bei der sie die ästhetische Seite, Museumsleiterin Blach die politisch-inhaltliche Seite betreut habe. Museumsleiterin Susanne Blach beruft sich auf den bildungspolitischen Auftrag des Museum und ist ihrerseits voll Bewunderung über den Einsatz der Gymnasiasten.
Blach hat den Seminarraum im Dachstuhl der Schülergruppe überlassen, die eine Woche lang aus unzähligen Pappkartons eine Mauer hoch gezogen, mit typischen Ost- und Westparolen beschriftet und mit Stacheldraht gekrönt haben. „Als wir die Mauer durch den Raum gebaut haben, ist uns schnell klar geworden, wie sehr eine Mauer die Kommunikation behindert“, erläutert Judith Daniels ihre Erfahrung. Ihr Mitschülerin Pascal Gerhäusser unterstreicht, wie sehr durch diese Aktion in einem Raum, in dem sonst standesamtliche Trauungen stattfinden, das geschichtliche Hintergrundwissen erweitert und vertieft wird.
Kinder- und Schulbücher, Kleidung und Spielsachen, Urkunden und viele andere persönliche Dokumente haben die Schüler zusammengetragen, teils in die Mauer aus Kartons integriert, teils in Koffern, die die Flucht symbolisieren drapiert. Unersetzlich wertvolle Stücke werden in Vitrinen präsentiert. „Ich bin begeistert, was da im Wortsinn an Geschichtserfahrung für die Jugendlichen rumkommt und wie sehr sie sich identifizieren. Auch welch kluge Fragen da auftauchen“, bilanziert Blach.
Beglückt über das Engagement der Elft- und Zwölftklässler hält sie bei der Eröffnung ein kleines gerahmtes Objekt hoch: „Diese Mauerbröckchen habe ich noch heute bekommen.“ Wie viele der Gegenstände, die zum Teil stark emotional besetzt und symbolisch aufgeladen sind, wird auch das Objekt mit den Mauerstücken in die Ausstellung integriert. Ende September wird es mit Schülerinnen und Schülern eine “Finissage mit Demontage” geben, ergänzt Blach, „Denn selbstverständlich gilt: Die Mauer muss weg – auch in den Köpfen!“
Info: Plakat-Ausstellung und Installation sind bis 25.September 2011 im Seminarraum des Theodor Heuss Museums während der Öffnungszeiten zu sehen: donnerstags 14-17 Uhr, Samstag und Sonntag 11-17 Uhr und nach Vereinbarung. Der Eintritt zur Plakat-Ausstellung ist frei.
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